Skulpturenpark Burgberg Liebenburg
Lewerborch im Jahre 1641, links der Hausmannsturm

Geschichte

1292 ließ der Hildesheimer Bischof Siegfried II.  in der Nähe des Dorfes Lievethe-Lewe als Grenzfeste seines Bistums gegen das Herzogtum Braunschweig auf dem Ausläufer des Salzgitterschen Höhenzuges die Levenburg („Liebenburg“) errichten. 1523  gelang es dem Braunschweiger Herzog Heinrich dem Jüngeren, nach Ende der Hildesheimer Stiftsfehde Burg und Amt in seinen Besitz zu bringen. 1643, im 30jährigen Krieg,  erhielten die Hildesheimer Bischöfe ihre Besitzungen zurück. Der Wunsch nach Rekatholisierung des protestantischen Umlandes erfüllte sich jedoch nicht. Da die Burg durch die kriegerischen Ereignisse zerstört war, wurde der Wohnsitz des Bischofs in den sogenannten Amtshof in der Domäne Liebenburg, dem Wirtschaftshof der Burg, verlegt.

Von der mittelalterlichen Burg ist noch der Flankierungsturm als Wehrturm an der Ostflanke der Burgmauer vorhanden.  2003 wurde er saniert und dient heute Ausstellungen, Trauungen und Empfängen. An der südwestlichen Flanke befand sich der Schulturm, dessen unterer Teil saniert und als Aussichtspunkt einen herrlichen  Blick auf Liebenburg und den Harzrand ermöglicht. Ein Stück der Burgmauer im sogenannten Amtsrichtergarten vermittelt einen Eindruck von der Größe der Wehranlagen. Westlich des Schlosses wurde im Jahre 2005 ein alter Burggang freigelegt. Oberhalb der ehemaligen Burganlage auf einem Sporn des Salzgitterschen Höhenzuges steht der ursprünglich als Wehr- und Wachturm genutzte Hausmannsturm. Vom Dach des kreisrunden, drei  Stockwerke mit je vier Schießnischen zählenden begehbaren Turms von 15 m Durchmesser eröffnet sich einer der schönsten Ausblicke auf das Harzvorland und den Brocken.

Von 1750 bis 1754 ließ Fürstbischof Clemens August (1700 – 1761) große Teile der Burg abbrechen und aus dem Steinmaterial ab 1754 ein barockes Schoß errichten. Es sollte Clemens August als Sommerresidenz und Jagdschloss dienen, wurde zu diesem Zweck jedoch nie genutzt. Clemens August war zugleich Kurfürst und Erzbischof von Köln. In Brühl ließ er ab 1725 Schloss Augustusburg und das Lust- und Jagdschloss Falkenlust errichten. Beide Schlösser sind mit ihren Gärten als Gesamtkunstwerk des deutschen Rokoko 1984 acht Jahre vor dem Bergwerk Rammelsberg und der Altstadt Goslar in die UNESCO-Liste der Welterbestätten aufgenommen worden.

Wegen des Siebenjährigen Krieges, in dem Clemens August gegen Friedrich den Großen kämpfte, wurden nur das Äußere des Schlosses und der Westteil mit der Schlosskapelle bis 1760 fertig gestellt. Der Ostteil, der die Wohngemächer erhalten sollte, wurde erst im 19. Jahrhundert als Amtsgericht des Königreichs Hannover ausgebaut. Das zweigeschossige, mit einem abgewalmten Mansarddach gedeckte Schloss wendet seinen Haupteingang der Bergseite und die Gartenseite dem Tal zu. Die nördliche Hauptseite des Schlosses ist mit einem dreigeschossigen Mittelrisalit und steinerner Freitreppe ausgestattet. Der flache Steingiebel im dreigeschossigen Mittelrisalit zeigt das von zwei Löwen begleitete Wappen des Fürstbischofs. Die barocke Kapelle im Westflügel des Schlosses Liebenburg, außen nur durch einen Dachreiter gekennzeichnet, ist der hervorragendste Kirchenbau des 18. Jahrhunderts im Harzvorland. Durch das spätbarocke Deckengemälde von Joseph  Gregori Winck hebt es sich künstlerisch weit über  den lokalen Rahmen hinaus. Die Kirche ist saalartig über einem Rechteck von 21 x 16 m errichtet, erweckt aber durch die hoch liegenden, von Pfeilern gestützten Emporen den Eindruck einer dreischiffigen Baus. Die perspektivische Erhöhung des mittleren Teils der Decke durch die Winckschen Malereien unterstützt diese Wirkung noch.

 

Konzeption der Außenanlagen

Nach Auffassung des Barocks bildeten Gebäude und Gärten eine aufeinander abgestimmte künstlerische Einheit, so wie es bei den beiden Brühler Schlössern Clemens Augusts, Schloss Augustusburg und dem Lust- und Jagdschloss Falkenlust , nachzuvollziehen ist. Auch sein im Emsland durch Johann Conrad Schlaun von 1736 bis 1747 errichtetes  Jagdschloss Clemenswerth weist eine wohlproportionierte Gartenanlage auf. Vom Schloss ausgehend strahlen dort acht Alleen symmetrisch durch ein kleines Waldstück, das intensiv gegliedert und ausgeformt wurde.

Der Entwurf des Liebenburger Schlosses zeigt Einflüsse aus dem Architektenkreis um Johann Conrad Schlaun. Auch für die Gartenanlage dieses Schlosses ist davon auszugehen, dass die umgebende Natur dem Zeitgeschmack entsprechend so gestaltet werden sollte, dass sich eine symmetrisch auf das Schloss ausgerichtete Gartenanlage mit harmonischen Proportionen ergeben hätte.  Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auf den Wall- und Befestigungsanlagen der Burg damit begonnen, einen terrassenförmigen Schlosspark anzulegen. Durch den Tod des Kurfürsten 1761 (dem Jahr, in dem auch der Park am Schloss Versailles eingeweiht wurde) wurden weder die barocke Gartengestaltung noch die dazugehörenden Skulpturen fertig gestellt.

 

Schloss Liebenburg und Skulptur „Sonnenpfeil“
Flankierungsturm

Die heutige Erschließung des Schlosses folgt offensichtlich noch den Vorgaben der Burganlage und lässt damit die geplante barocke Konzeption allenfalls erahnen: die heutige Zuwegung führt nicht zum Haupteingang auf der Nordseite des Schlosses, sondern durch den geplanten Schlossgarten südlich des Schlosses. Der repräsentative, auf Wirkung ausgelegte Haupteingang liegt damit heute auf der  „Rückseite“ des Schlosses, während die ruhig konzipierte Gartenseite mit der vermutlich geplanten vom Schloss ausgehenden Mittelachse, den symmetrisch darauf bezogenen Pflanzbeeten in streng geometrischer Ordnung und den Blickbeziehungen über den Garten hinaus in die freie Landschaft bis zum Harz allenfalls  ansatzweise verwirklicht wurde.  Wie die Gartenanlage wurde auch das im Ostteil des Schlosses geplante Jagdschloss nicht weiter verfolgt. Erst  ab 1813, nachdem Liebenburg zuvor als Folge der Säkularisation preußisch uns später französisch beherrscht worden war, baute das Königreich Hannover den Ostteil zum Amtssitz mit Gericht, Gefängnis und Wohntrakt des Amtsrichters aus. Die Nutzung eines Teils des Schlossgartens durch den Amtsrichter  führte im Volksmund zu dessen Bezeichnung als Amtsrichtergarten.

 

Blick durch das „Portal der Ankunft“ auf die „Himmelsscheibe“ und den Flankierungsturm
Blick auf das „Portal der Ankunft“ und die Gemeinde Liebenburg
Dreischeibenkreuz

Seit 1974 befinden sich Schloss und Kirche im Besitz von Professor Gerd Winner und seiner Frau. Der in Schloss wohnende und arbeitende Schlossherr und Künstler hat in der Tradition der künstlerischen Ausgestaltung von Gartenanlagen in den Außenanlagen moderne Skulpturen angeordnet , die überwiegend aus Salzgitter-Stahl gefertigt wurden. Das Material erinnert an den Eisenerzbergbau im Salzgitterschen Höhenzug, die Ausformung der dreidimensional angeordneten, zugeschnittenen und gebogenen Platten an sakrale Themen, was sich auch in der Namensgebung der Skulpturen ausdrückt: Dreischeibenkreuz, Sonnenpfeil, Himmelsscheibe, Portal der Ankunft, Kreuz-Labyrinth, Flamme des Geistes.  Die Werke sind für den jeweiligen Ort, an dem sie stehen, geschaffen, stehen im Einklang mit der sie umgebenden Natur und im Wechselspiel mit den Tages- und Jahreszeiten, dem Licht und der Witterung, die sie im Laufe der Zeit verändert. Der Skulpturenpark auf dem Burgberg Liebenburg könnte als moderne Variante der barocken Sacra Monti, der Heiligen Berge des Piemonts und der Lombardei, gedeutet werden.

Plan des Burggeländes

  1  Barockschloss mit Barockkirche

  2  Flankierungsturm

  3  Schulturm

  4  Alter Burggang

  5  Hausmannsturm

  6  Skulptur Dreischeibenkreuz

  7  Skulptur Sonnenpfeil

  8  Skulptur Himmelsscheibe

  9  Skulptur Portal der Ankunft

10  Skulptur Kreuz-Labyrinth

11  Skulptur Sinai

 

Karte entnommen aus dem Faltblatt
der Gemeinde Liebenburg: Die Levenborch, 2010.

 

 

Besonderheiten in der Umgebung

Die Kunstwerke des Skulpturenparks Burgberg Liebenburg sind über das angrenzende Strautetal mit neun Skulpturen internationaler Gegenwartskünstler  in Salzgitter - Bad verbunden. Der dortige Skulpturenweg in der Umgebung des Thermalsolebades und im angrenzenden Greifpark ist Bestandteil der „Straße des Friedens“, die auf eine Idee des 1943 im Konzentrationslager Lublin-Majdanek gestorbenen Bildhauers Otto Freundlich zurückgeht. Sie führt ideell von Paris nach Moskau und besteht bereits aus über 80 Skulpturen. In unserer Gegend gehört der landschaftlich reizvoll  auf einer ehemaligen Bahntrasse gelegene Skulpturenweg von Lamspringe nach Bad Gandersheim dazu.

Skulptur „Der Kuss“ von Menashe Kadishmann
Luftbild der Liebenburg

Weiterführende Informationen

www.liebenburg.de

www.skulpturenweg-salzgitter-bad.de

www.harzregion.de/geopark/18.html

www.gerdwinner.de

  • Gemeinde Liebenburg: Die Levenborch; Faltblatt 2010

  • Katholische Pfarrgemeinde St. Maria Verkündigung: Liebenburg 250 Jahre Schloss und Schlosskirche St. Mariä Verkündigung; Festschrift anlässlich des Jubiläumsjahres 2010; Goslar 2010

  • Verkehrsverein Salzgitter e. V. : Straße des Friedens Skulpturenweg Salzgitter – Bad; Faltblatt o. J. Werkmeister, Dr. Hans Friedrich: Landschaftsplan und Grünordnungsplan Liebenburg; Hildesheim / Bochum 1982

 

 

Öffnungszeiten

Der Skulpturenpark Burgberg Liebenburg ist allgemein zugänglich. Der Hausmannsturm ist in der Regel tagsüber geöffnet, die Schlosskirche zu Gottesdiensten und besonderen Anlässen.

Anfahrt mit dem Bus

Von Salzgitter-Bad fährt die Buslinie 860 werktags (auch Samstags) stündlich über Liebenburg zum Busbahnhof in Goslar und zurück (Haltestelle Liebenburg Schulzentrum oder Post). Samstags nach 18:00 Uhr und sonntags verkehrt diese Linie zweistündig.

 

Günter Piegsa, 30.04.2012