Rittergut Alvesse (Gemeinde Vechelde)

Junges Rittergut

Für ein Rittergut ist das Rittergut Alvesse noch recht jung. Es entstand erst 1896 am südlichen Ortsrand von Alvesse und wurde auf den dortigen Ackerflächen völlig neu gebaut. Zwischen 1850 und 1914 wurden nur vier Betriebe als neue Mitglieder in die Ritterschaft des Landes Braunschweig  aufgenommen. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten brachte der Eintrag in die Rittermatrikel zwar nur noch wenige Vorteile, es war aber ein nicht zu unterschätzender Prestigegewinn damit verbunden.

Julius Richard Brendecke, der Ur-Ur-Großvater des heutigen Eigentümers Alexander Brendecke, hatte das Rittergut Duttenstedt gepachtet, das schon seit 1866 als Staatsdomäne in preußischem Besitz war. Durch Heirat waren in der Gemarkung Vallstedt große landwirtschaftliche Flächen dazugekommen und so entschloss er sich, seinen Betrieb ganz nach Vallstedt bzw. Alvesse zu verlegen. Er ließ ein Herrenhaus im Stil des Historismus bauen. Beratend stand dafür der Braunschweiger Stadtbaurat Ludwig Winter zur Seite. Ausführender Architekt war der Herzogliche  Regierungsbaurat Bohnsack, ein Schüler Winters und Erbauer der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

 

 

Typische Parkanlage des ausgehenden 19. Jahrhunderts

Zu einem Rittergut gehört jedoch nicht nur ein stattliches Herrenhaus und eine große Hofstelle sondern auch eine repräsentative Parkanlage. Der rund 3,2 ha große Park ist eine typische Anlage  des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Er wurde im landschaftlichen Stil mit weiten Rasenflächen, randlichen Gehölzflächen und einem interessanten Baumbestand angelegt. Besonders der nun über einhundert Jahre alte Baumbestand macht ihn zu einem erhabenen und ausgeglichen wirkenden Schmuckstück.

Durch die von Herrenhaus in großen Kreisen ausgehende Wegeführung bieten sich immer wieder neue Ausblicke und Blickbeziehungen. Aufgelockert wird der Park mit kleinen Steinplastiken und Zierelementen. Alte Pläne existieren leider nicht. Es ist wahrscheinlich, dass Julius Richard Brendecke die Gestaltung des Parks nach eigenen Überlegungen und in eigener Regie durchgeführt hat. Auf der Deutschen Grundkarte (DGK 5) aus den 1970er Jahren ist die Planungsidee gut zu sehen.

Bevor der Stichkanal nach Salzgitter gebaut wurde, ging der Park nach Westen in die feuchte Wiesenaue des Dummbruchgrabens über. 1938 bis 1940 legte man jedoch mit dem Aushubboden aus dem Kanalbau die Wiesenflächen trocken, so dass sie danach als Ackerland genutzt wurden. Eine weitere Zäsur war der 2. Weltkrieg. 1944 wurde der südliche Teil des Herrenhauses durch eine 250-Kg-Bombe zerstört. Sechs weitere Bomben verwüsteten den Park.

Erst 1952 begann die Renovierung, die sich in mehreren Bauabschnitten über Jahre hinzog. Der zerstörte Teil des Herrenhauses, immerhin die Hälfte der Wohnfläche, wurde nicht wieder errichtet. Die kleine Mauer vor der heutigen Eingangstreppe und Fundamentreste der beiden Türme erinnern an das Ausmaß des Hauses. Weiterhin kann man ist Osten das Doppelrondell als Vorfahrt vor den ehemaligen Hauseingang erkennen.

 

 

Landwirtschaftlicher Betrieb

Die südlich an den Park angrenzende Hofanlage wurde zusammen mit dem Herrenhaus errichtet. Sie ist heute an die modernen landwirtschaftlichen Verhältnisse angepasst. In der Mitte des Hofes steht eine Multifunktionshalle, die ursprünglich als Schweinestall errichtet wurde. Im Osten steht der ehemalige Pferdestall. Unten waren Stallungen für die Kutschenpferde, für die Kaltblüter und die Zugochsen. Die lange Scheune im Süden diente auf voller Länge der Heu- und Strohlagerung. Die Gebäude werden heute als Siloanlagen für die Getreidelagerung und als Lager für Maschinen und Material genutzt.

 

Das Rittergut Alvesse ist auch heute noch ein landwirtschaftlicher Betrieb. Das Grundstück, Herrenhaus und Parkanlage sind privat und können nur zu besonderen Anlässen besichtigt werden.

 

 

Adresse

Rittergut Alvesse
Lietweg 2
38159 Vechelde OT Alvesse

 

 

 

Text: Alexander Brendecke, Klaus Hermann.  Fotos: Klaus Hermann
Juni 2015