Schlosspark Destedt - Ein früher Landschaftsgarten

Zielsetzung und Geschichte
Johann Friedrich von Veltheim beabsichtigte nach der Heirat mit  Margarethe Sidonie, geb. v. Münchhausen aus Schwöbber, den kleinen Französischen Garten westlich des Schloßes zu einem weitläufigen Landschaftspark zu erweitern. Ab 1768 begann die Anlage eines, weniger nach englischen als nach deutschen Vorstellungen geprägten Parks unter Mitarbeit des Gärtners Lenke aus Schwöbber. Einer der ersten Pläne eines Landschaftsparks  in Deutschland zeigt den Park um 1772. Hierin wird deutlich, dass der Destedter Park einer der ersten Landschaftsparks in Deutschland ist, der nach einem durchgängigen Gestaltungskonzept angelegt wurde. Er steht mit Schwöbber, Harbke und Lucklum ganz am Anfang der deutschen Landschaftsparkentwicklung mit einem botanischen und gestalterischen Schwerpunkt, ist jedoch noch nicht von den geistig - philosophischen Tendenzen von Dessau - Wörlitz erfaßt.


Konzeption des Parks
Um die Anlage umsetzen zu können, mußten etliche Privatgrundstücke aufgekauft und in den Park integriert werden. Diese Entwicklung zog sich bis ca. 1793 hin. Mit einigen Erweiterungen und Umbauten im 19. Jh. (Teich, Pflaumenberg, Grotte, Palmenhaus) erreichte der Garten seine gegenwärtige Größe von ca. 7,3 ha. So entstand ein Park im frühen landschaftliche Stil mit einem dichten Wegenetz, einer Vielzahl von Staffagebauten, zahlreichen Landschaftsbeziehungen ("Vue mouvements") und einem hohen Artenreichtum, der jedoch noch von einigen stilistischen Unsicherheiten geprägt war. Trotzdem war und ist der Park als eines der ersten erhaltenen Gesamtgartenkunstwerke der deutschen Landschaftsparkbewegung anzusehen.
Die Parkfläche erstreckt sich in Ost-Westrichtung vor der Nordfassade des Schlosses und ist durch die zentrale Rasenachse in zwei Hälften geteilt. Neben zahlreichen Sichtachsen im Park wurde die umgebende Landschaft von ausgesuchten Aussichtspunkten in das Parkerlebnis einbezogen (Harz, Elm, Braunschweig).
Betreten wird der Park wie schon vor 250 Jahren über die 2009 wiederhergestellte sog. "Chinesische Brücke", Sinnbild des Übergangs von der gegenwärtigen Welt in das paradiesische Jenseits nach der fernöstlichen Gartenkultur. Ein dichtes Wegenetz von sog. "Brezelwege", wie sie in Form und Wegeführung der noch unsicheren Landschaftsparkgestaltung des 18. Jh.´s entsprechen, durchzieht den Park und läßt ihn dadurch größer erscheinen.
Die Familie v. Veltheim zeichnete sich  von je her durch ein großes Interesse an exotischen Bäumen und Sträuchern aus und baute den Park zu einer dendrologischen Sammlung aus. Hiermit leistete sie einen großen Beitrag zur Verbreitung fremdländischer Gehölze, war dem  Gutspark doch eine Anzuchtbaumschule angeschlossen, von der aus Gehölzraritäten an den herzoglichen Hof nach Braunschweig oder umliegende Gutsparks geliefert wurden. In dem enormen Potential an exotischen Gehölzen und diversen, dem Zeitgeschmack entsprechenden sentimental - melancholischen Staffagebauten (Ruinen, Grotten usw.) begründet sich der hohe gartendenkmalpflegerische und kunsthistorische Wert des Parks. Auch heute finden sich noch sehr viele seltene Gehölze im Park, wie einer der größten Gingkos in der Region, das einzige blühende Exemplar einer Asimia triloba nördlich der  Alpen oder die ersten auf dem Kontinent gepfanzten Tulpenbäume.

In der Erhaltung und Wiederherstellung dieses Genius loci liegt der Schwerpunkt der seit 2003 begonnen Sanierungsmaßnahmen. Der Park soll nach einem Parkpflegewerk des Landschaftsarchitekturbüros Grahmann / Cremlingen als frühes Gartenkunstwerk und als dendrologische Sammlung seinen ehemaligen Stellenwert zurückerhalten, wobei finanzielle Förderungen des Landes Niedersachsens, der Europäischen Gemeinschaft, der Niedersächsischen Gesellschaft zur Erhaltrung hist. Gärten sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Borek-Stiftung und Privatmittel in das Projekt einfließen.

Kai-Uwe Grahmann

Orangerie
Plan des Parks von 1772

Weiterführende Literatur:
Grahmann / v. Veltheimsche Gutsverwaltung: Gutspark Destedt Pflege- und Erhaltungskonzept,  Cremlingen 2003
Benz, Eva: Die Geschichte des Destedter Parkes,
Braunschweigisches Jahrbuch des Geschichtesvereins Nr. 64/1983, S. 69 - 115
Braunschweig 1983
Du Roi, Johann Philipp: Gärten zu Lucklum und Destedt in Niedersachsen um 1780, Staatsarchiv Wolfenbüttel
Kirsch, Rolf : Frühe Landschaftsgärten im niedersächsischen Raum
Diss. Göttingen 1992
Köhler, Markus: Wenn wir erst einen ins wilde abgelegten Garten zu sehen gewohnt sind ...
Die frühen Landschaftsgärten von Harbke und Schwöbber
in die Gartenkunst 1/1993 Worms
DBU: Destedt - der Park in der Kulturlandschaft
www.dbu.de/projekt_22914/db_1036.html


Adresse:
von Veltheimsche Gutsverwaltung
Destedter Hauptstrs. 1
38162 Cremlingen/Destedt
Tel. 05306/7017
http://sonicbloom-veltheim.de/Orangerie/impressum/impressum.html

Lageplan