Schlosspark Ringelheim

Zielsetzung und Geschichte

In Ringelheim, heute Stadtteil der Stadt Salzgitter, wurde vor mehr als 1000 Jahren ein Frauenkloster gegründet. 1153 wurde es in ein Männerkloster des Benediktinerordens umgewandelt und  hatte Bestand bis zu seiner Säkularisierung im Jahre 1803. Die nach einem Brand als Barockkirche 1694 wiederauf- und neugebaute Klosterkirche St. Abdon und Sennen zeugt noch heute von einstiger Blüte. Nach Besetzung des Fürstentums Hildesheim übergab der preußische König Friedrich Wilhelm III. 1803 die ehemalige Klosteranlage mit Ausnahme der Klosterkirche an seinen Minister Friedrich Wilhelm Graf von der Schulenburg-Kehnert. Dessen Tochter verkaufte 1817 Gebäude, Gut und Vorwerk für 200 000 Taler an Johann Friedrich Graf von der Decken, hannoverscher Generalfeldzeugmeister im Napoleonischen Krieg und Diplomat. Von der Decken wandelte das Kloster in ein Schloss um. Sein ältester Sohn Adolph legte 1847/48 auf den zwischen Schlosses und Innerste  gelegenen Flächen nach eigenen Plänen einen 110 Hektar großen englischen Landschaftspark an. Anregungen dürfte er dabei aus den Arbeiten seines Taufpaten Adolph Friedrich von Cambridge, der in Hannover und Rothenkirchen bei Einbeck durch die Krone Landschaftsgärten anlegen lies, und durch die Werke von Skell und Pückler erhalten haben. Die Arbeiten an der Parkanlage dienten gleichzeitig der Bevölkerung als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme während der zeitgleichen Hungersnot. 1938 verkauften die Erben die Schlossanlage an die "Reichswerke Hermann Göring", die es als Verwaltungssitz nutzten. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es Sanatorium und später Wohnheim für psychisch kranke Menschen. 1969 erwarb das Landeskrankenhaus Königslutter die Anlage, die so in den Besitz des Landes Niedersachsen gelangte. 2002 verkaufte das Land Niedersachsen Gebäude und Park. Seitdem steht das ehemalige Schloss weitgehender leer. Der Park ist ganzjährig für die Öffentlichkeit zugänglich. Er ist ein einzigartiges, viel zu wenig bekanntes gartenbaugeschichtliches Zeugnis, das mit seinen Blickachsen, Wasserflächen und alten Bäumen trotz eingeschränkter Unterhaltung seine malerische Konzeption noch gut erkennen lässt und zu genießen erlaubt.

Konzeption der Außenanlagen

Zwischen Herrenhaus und Innerste wandelte das Ehepaar von der Decken altes Garten- und Fischteichgelände in einen weitläufigen englischen Landschaftspark um. Nach Abbruch störender Häuser und umfangreichen Bodenbewegungen konnten große Wiesenflächen und Teiche entstehen. Gebüsch und Baumgruppen wurden zur Inszenierung der Landschaft und zum Verdecken der Wege gepflanzt. Hierdurch wurde das den Westteil des Parks dominierende dreistrahlige System von Durchblicken von und zum Schloss geschaffen und so das Schloss zum optischen Schwerpunkt des Parks erhöht. Aus fremden Ländern und aus Übersee lies von der Decken seltene Bäume anliefern.  Eine eindrucksvolle Verbindung von Wiesen- und Wasserflächen, gegliedert durch Gehölzgruppen und waldartige Pflanzungen, und eine Abfolge vielfältiger romantischer Szenen, gesteigert durch eine Ruine, eine von Vasen bekrönte Steinbrücke und einen auf einer Insel aufragenden, der ägyptischen Antike nachempfundenen Obelisken entstanden.

Die dem Geschmack der Zeit entsprechende, etwas abseits auf einem Hügel zwischen den Teichen errichtete Ruine wurde zu einem romantischen Ruheplatz ausgestaltet mit der Anmutung einer fernen Vergangenheit. Die im klassizistisch-repräsentativen Stil gehaltenen Architekturelemente sind im schlossnahen Bereich zu finden, im hinteren Bereich der Parkanlage die gothisierenden Elemente. Ähnlich differenziert ist die Bepflanzung: großzügiger gegliederte Flächen mit lockerer Bepflanzung im schloß- und Innerstenahen Bereich, dichtere Bepflanzung angrenzend an den Wald im Osten. Die im seinerzeit neuentstandenen Georgsgarten in Hannover gebrauchte Form der elegant geschwungenen Wegeführung wurde übernommen. Neben festgelegten Durchblicken und Sichtbezügen, die an Parkarchitekturen und Bänken, anknüpften, boten die Wege dynamische Blickbezüge beim Durchschreiten des Parks. Die entlang der Wege gepflanzten Buchsbaumhecken erfroren im kalten Winter 1928/1929.

Die architektonische Parkausstattung wurde ergänzt durch die große Freitreppe am Mittelrisalit der Südfront des Schlosses, das Tor an der Wallmodener Straße mit vasenbekrönten Postamenten, die Rampe zum Schlosshof mit obeliskenbesetzter und Baum bestandener Bastion, die Treppe zum Eingang des Schlosses vom Schlossplatz aus und anderes mehr.

 

Weiterführende Literatur

Historische Gärten in Niedersachsen; Katalog zur Landesausstellung; Langenhagen 2000

 

Adresse/Kontakt

Schlosspark Ringelheim
Johannesstraße / Gutshof
38259 Salzgitter-Ringelheim

 

Öffnungszeiten

Ganzjährig geöffnet.

 

 Informationen

www.salzgitter.de unter Tourismus / Sehenswertes

http://de.Wikipedia.org unter Ringelheim

 

Anfahrt mit Bus und Bahn

Bahnhof Salzgitter-Ringelheim (Bahnstrecken Halle (Bad Harzburg) - Hannover; Braunschweig - Herzberg; Busverbindungen nach Baddeckenstedt und Salzgitter - Bad.

Regionalbus Braunschweig (RBB) Linie 650 Salzgitter Bad - Salzgitter Ringelheim - Lutter a.B. - Seesen.

Regionalbus Braunschweig (RBB) Linie 656 Baddeckenstedt - Heere - Sehlde -Salzgitter Bad.

 

Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung

Kath. Kirche St. Abdon und Sennen mit dem zweitältesten Großkreuz in Deutschland entstanden um 1000; nur begrenzte Öffnungszeiten.

Barockorgel der ehemaligen Klosterkirche; Ringelheimer Orgeltage alljährlich im Mai mit namenhaften Organisten.

Mausoleum der Familie von der Decken.

Gutshof mit achteckigem Taubenturm.

Ev. Kirche St. Johannes Baptista.

 

Text/Bilder: Günter Piegsa

31.05.2010

Lageplan